Junghunde, die Pubertät und die Sache mit der Dominanz

Veröffentlicht am 19. Juni 2024 um 21:36

Wenn man über ein Herzensthema schreibt, möchte man so viele Menschen wie möglich abholen und mit auf seine Gedankenreise nehmen.

Das Thema Hundeerziehung ist generell sehr emotional, was es schwierig macht, mit einem Blog alle Hundemenschen so abzuholen, dass sie sich gut begleitet und vor allem verstanden fühlen.

Wir ticken halt alle ein bisschen anders. Oder wie die Kölner sagen: Jede Jeck es anders.

Ich hoffe, ich hole dich gerade dort ab, wo du mit deinem Hund stehst und dass dir dieser Artikel dabei hilft, ein bisschen gelassener durch die verrückte, aber ganz normale Zeit der Jugendentwicklung zu kommen.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen! 😊

Obwohl viele Hundemenschen weg sind von dem Gedanken „Mein Hund muss funktionieren und sich unterordnen“ und ihre Hunde als Lebewesen mit Emotionen, Bedürfnissen und persönlichen Charaktereigenschaften betrachten, sind sie trotzdem mit gewissen Glaubenssätzen aufgewachsen, werden vom aktuellen Zeitgeist geprägt und von anderen Menschen beeinflusst.

Niemand von uns kann sich diesen Mechanismen wirklich entziehen, besonders nicht in Zeiten von Social Media.

Auch als Hundetrainerin kennt man diese Momente, in denen man Selbstzweifel verspürt. Wie soll es dann erst den Hundebesitzer/innen gehen, die einem anderen Beruf nachgehen als sich 24/7 mit Hundethemen zu beschäftigen?  

Obwohl ich weiß, dass Druck nur Gegendruck erzeugt, dass Strafe ein Verhalten nur deckelt, welches uns früher oder später auf die Füße fällt, kenne ich diese Momente, in denen ich völlig entnervt denke „Hätte Nala doch nur einen Aus-Knopf für ihre Ausraster bei plötzlichen Katzenbegegnungen!“ Du kannst dir sicher vorstellen, dass einem diese Situationen besonders peinlich sind, wenn man vom Fach ist.

In solchen Momenten habe ich gelernt, ruhig zu bleiben, Nala ein eingeübtes Entspannungssignal zu geben und sie aus der Situation zu holen. Das Entspannungssignal und mehr Distanz ist meine Strategie, um Nala erstmal wieder in den denkenden Modus zu bekommen und somit ein Alternativverhalten überhaupt abfragen zu können. Dieses Alternativverhalten verstärke ich.

Nicht selten kommen dann Kommentare wie „Ach, bekommt sie dafür jetzt auch noch ’ne Belohnung, oder was?“

Da ist er dann, der kurze Augenblick, der mir peinlich ist und in dem ich Unsicherheit verspüre. Ich fange mich dann schnell wieder, weil ich weiß, dass plötzlich auftretende Schreckauslöser direkt vor der Nase immer eine gewisse Herausforderung sein werden, egal wie lange man trainiert und dass Reaktionen wie Schimpfen, Lautwerden oder körperliches Bedrängen die Sache nur verschlimmern.

Die Gesellschaft erwartet, dass man seinen Hund „im Griff“ hat. Und im Jahr 2024 ist es noch immer eine Ausnahme, mit Hunden gewaltfrei umzugehen.

Diese Kombination lässt Hundebesitzer/innen zweifeln und sie hadern mit ihrer Absicht, freundlich zu trainieren. Unter den Erwartungen von außen reagieren sie anders, als sie es eigentlich von ihrem Bauchgefühl her tun würden.


Furry Fellows_Gewalt im Hundetraining

Gewalt hat viele Ursachen, aber wir sehen sie meistens dann, wenn Menschen sich hilflos und überfordert fühlen, wenn sie keine anderen Strategien gelernt haben, wenn Wissen fehlt, und vor allem dann, wenn Ängste und gefestigte Glaubenssätze mit ihm Spiel sind.


Angst, keine Kontrolle über den Hund zu haben. Angst, man könnte sich einen aggressiven Hund heranziehen, wenn man sich nicht durchsetzt. Jeder sagt schließlich, dass man sich durchsetzen muss. Den Hunden, die im Tierheim landen, hat es an Gehorsam gemangelt… man hört und liest das ja immer wieder.

Wusstest du, dass wir Fehlinformationen irgendwann für richtig halten, nur weil wir sie ständig und überall hören? Wiederholungen machen Fake News und Alternative Facts im Zeitalter von Social Media plötzlich zu Wahrheiten.

Unter dem Vorwand der Erziehung werden leider immer noch sehr oft Strafmaßnahmen durchgeführt. Die Unterscheidung zwischen Training und Erziehung soll den Anschein erwecken, dass in der Erziehung eine strengere Handhabe benötigt wird.

Du hast bestimmt auch schonmal diese Aussage so oder so ähnlich gehört:

„Im Training kann man ja ruhig positiv arbeiten. Aber in der Erziehung ist man auf der sozialen Ebene, und da läuft das nunmal über Grenzen setzen. Training und Erziehung sind zwei Paar Schuhe. Werden Kommandos nicht befolgt, muss man sich durchsetzen. Positiv funktioniert das nicht, und erst recht nicht mit dem Clicker.“

Was wir in die Kategorie Hundeerziehung packen, ist eine willkürliche Definitionssache: Ist es das Fußlaufen? Gehört das Pfötchengeben dazu? Zeigt der Hund gutes Benehmen, wenn er das Kauholz bearbeitet anstatt die Lieblings-Sneakers?

Hunde können den Sinn hinter den Regeln unserer Menschenwelt nicht erfassen. Sie begreifen nicht, dass dreckige Pfötchen auf dem Sofa als unhöflich gelten.

Wenn Hunde erst ein Signal abwarten, bevor sie aufs Sofa springen, sind sie dann gut erzogen? Oder ist es nicht schlicht und einfach so, dass sie es GELERNT haben?

Wir können sogenannte Gehorsamkeitsübungen so aufbauen, dass sie aus Sicht unserer Hunde identisch sind mit spaßiger Beschäftigung oder spielerischem Tricktraining.

Hunde lernen immer und in jeder Situation, egal, ob wir es Training, Erziehung oder Beschäftigung nennen. Es geht ums LERNEN und darum, wie Hunde am effektivsten lernen.

Es geht um die Frage: Wie verstehen Hunde, was wir von ihnen wollen?


Menschen fällt es schwer, feste Glaubenssätze infrage zu stellen und alte Gedankenmuster zu durchbrechen.


Furry Fellows_Wölfe_Dominanztheorie

Durch falsche Rückschlüsse, nachdem man nicht miteinander verwandte und in Gefangenschaft lebende Wölfe beobachtet hat, ging man in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts davon aus, dass in Wolfsrudeln eine bestimmte Hackordnung vom Alpha-Wolf bis zum Omega-Wolf vorläge.

Wie wir inzwischen schon sehr lange wissen, geht es den Mitgliedern einer Wolfsfamilie nicht um Statusverteidigung, sondern um gegenseitige Unterstützung und um eine sichere Gemeinschaft. Wölfe sind sehr soziale Tiere, die sich im Familienverband mit den Eltern als Leittiere liebevoll umeinander kümmern.

Aufgaben werden so verteilt, dass die kompetenten Tiere in dem jeweiligen Bereich die Gruppe leiten. Muss ein Wolfsrudel beispielsweise durch hohen Schnee stapfen, sieht man, wie die starken Jungtiere vorangehen und die Älteren energiesparend in ihren Spuren laufen. Da gibt es keinen Leitwolf, der unbedingt als erster vorangehen muss.

Die falsche Theorie wurde damals jedoch fatalerweise auf Hunde übertragen und hält sich seitdem trotz wissenschaftlicher Widerlegung hartnäckig. Sie besagt, dass unsere Hunde darauf aus sind, uns zu dominieren und im Rang höher zu stehen als wir. Gemäß dieser Theorie müssen wir unseren Hunden zeigen, wer der Chef ist und hart durchgreifen.

Menschen lieben anscheinend Hierarchien und finden es einfach, sich an Rang und Status zu orientieren. Es ist aber äußerst unfair, dieses Konzept auf unsere Hunde zu übertragen.

Hunde kennen keine Generale, keinen Papst, keine CEO’s oder Gurus. Die Erfindung der Dominanz hat ihren Ursprung wohl woanders.


  • Wenn wir also zusammenfassen, dass die Dominanz- und Rangordnungstheorie von Anfang an ein großer Irrtum war
  • Und wenn wir akzeptieren, was uns die Wissenschaft bereits seit Jahrzehnten sagt: Status, Rang und Dominanz spielen absolut keine Rolle für unsere Hunde in ihrer Beziehung zu uns Menschen
  • Und dass das Konzept der Erziehung auf willkürlichen und kulturell bedingten Normen und Werten fußt
  • –  Was bleibt dann?

Es entsteht ein Raum. Ein Raum, der uns die Möglichkeit gibt, neue Sichtweisen einzunehmen. Sichtweisen, die uns erkennen lassen, dass wir Hundeverhalten anders interpretieren und erklären müssen. Dass es kein einziges belastbares Argument dafür gibt, Hunde auf einer sozialen Ebene einschränken zu müssen, um Kommandos durchzusetzen oder Problemverhalten zu therapieren.


Bei den Welpenbesitzer/innen sehen wir noch ganz viele Herzchen in den Augen, trotz der oft unterschätzten Anstrengung, die so ein Welpe mit sich bringt. Vieles wird dem Welpen verziehen, weil er ja noch klein ist und es nicht besser weiß.

Managementmaßnahmen, wie das Umräumen der Einrichtung, Kindergitter aufstellen, teure Teppiche auslagern, Schuhe gegen Kauartikel tauschen, etc. werden in dieser Zeit in Kauf genommen.

Dann wird der Welpe langsam älter, man hat bereits acht Wochen die Hundeschule besucht, er sieht auch gar nicht mehr so knautschig aus wie ein Welpe… und plötzlich sind die Herzchen aus den Augen der Besitzer/innen verschwunden.

„So langsam muss das aber klappen mit dem Gehorsam! Er weiß doch, was dieses oder jenes Signal bedeutet! Warum klappt der Rückruf auf einmal nicht mehr?“

Man zieht die Suchmaschine seines Vertrauens zu Rate… „Hund in der Pubertät“… schnell eingetippt, genauso schnell erscheinen hunderte von Tipps.

Man liest Dinge wie „Flegeljahre“, „Pubertier“, „Grenzen austesten“, „Konsequenz zeigen und den Hund in seine Schranken weisen“, „Wenn der zuhause alles darf, ist es ja kein Wunder, dass der sich draußen so aufführt“ …

Man kann sogar von einer Fantasie-Entwicklungsphase lesen, der sogenannten Rangordnungsphase, in der dein Hund trotzig sei und deine Autorität infrage stelle, und das im Jahr 2024!

Moment! Das mit der Rangordnung war doch absoluter Quatsch! …Genau! Da sind sie also wieder, die alten, gefestigten Glaubenssätze.


Lass uns mal schauen, worum es denn nun wirklich bei der Pubertät und der Adoleszenz unserer Hunde geht.


Die Pubertät beginnt mit ca. 5 Monaten und endet mit der Geschlechtsreife.

Ab diesem Zeitpunkt sprechen wir nicht mehr von der Pubertät, sondern von der Adoleszenz.

Dies ist die Entwicklungsphase zwischen der Geschlechtsreife und dem Erwachsenensein mit ca. 2 bis 3 Jahren. Je nach Rasse können diese Zeitfenster variieren.

Die kleineren Rassen sind da etwas schneller.

Furry Fellows_Robert Sapolsky_präfrontaler Cortex

Die Jugendentwicklung deines Hundes ist eine besondere und total faszinierende Zeit. Das Verständnis und die Geduld, die wir mit den Welpen hatten, haben die Junghunde ganz besonders und eigentlich noch viel mehr verdient. Ein Junghund mag mit 18 Monaten erwachsen aussehen, er ist es aber noch nicht. Sein Körper entwickelt sich viel schneller als sein Gehirn.

Während die verschiedenen Hirnareale der Welpen auf einem gleichen Entwicklungsstand waren, ist bei den Junghunden nun Chaos angesagt. Ein Chaos, welches sie nicht selbst verschuldet haben und welches sie auch nicht bewusst steuern oder auflösen können.

Man kann sich das Gehirn, sehr grob gesagt, in drei Abschnitte vorstellen (Modell nach MacLean):

  • das Stammhirn (Reptiliengehirn)
  • das limbische System (Säugetiergehirn)
  • und der Neocortex (Großhirnrinde)

Das Stammhirn gilt als ältester Gehirnteil. Es steuert automatische Funktionen wie Atmung, Verdauung, Blutdruck, Schlafen, etc.

Das limbische System ist ein jüngerer Part im Säugetiergehirn. Es fungiert als emotionale Schaltzentrale und ist in großem Maße für Emotionen, Lernen und Gedächtnisbildung mitverantwortlich. Hier finden wir Unterteile wie den Hypothalamus, den Hippocampus und die Amygdala.

Um diese Emotionen und Impulse vom limbischen System zu steuern und zu regulieren, braucht es einen sehr beeindruckenden und total interessanten Teil der Großhirnrinde: den präfrontalen Cortex (PFC).

Evolutionär gesehen ist der PFC als letztes hinzugekommen, er ist also das jüngste Hirnareal der Säugetiere.

Der evolutionäre Zeitablauf spiegelt sich in der Gehirnentwicklung des einzelnen Lebewesens wider: Der PFC ist der Teil des Gehirns, der am längsten braucht, um fertig ausgereift zu sein. Bei uns Menschen ist das erst mit Mitte 20!

Der PFC befindet sich also noch in der Entwicklung, während das limbische System bereits auf Hochtouren läuft.

Zusätzlich zur Emotions- und Impulssteuerung ist der PFC, wenn er dann voll betriebsfähig ist, verantwortlich für bewusste und vernünftige Entscheidungen, Risikoeinschätzung und Lösungsfindungen. Du ahnst nun wahrscheinlich schon, warum dein Junghund sich manchmal so verrückt und unmöglich benimmt.

Neben der Tatsache, dass der PFC seine Aufgaben noch nicht richtig ausführen kann und somit Emotionen schnell überkochen, Impulskontrolle nicht gezeigt werden kann, hohe Risiken in Kauf genommen werden und gelernte Lösungen nicht abrufbar sind, kommen noch weitere Aspekte hinzu, die es deinem Hund schwer machen, auf eure eigentlich gut eingeübten Signale zu reagieren.

Wie bei einem Rückschnitt im Garten werden Verbindungen im Gehirn entsorgt, die momentan als nicht so wichtig erscheinen. Klar, das trifft einem, wenn man hört, dass der mühselig aufgebaute Rückruf und das tolle Umorientierungssignal nun als unwichtig vom Hundegehirn bewertet werden.

Aber stell dir vor, was nun wichtig wäre, wenn dein Hund nicht bei dir leben würde. Er müsste sich eine Gruppe suchen, der er sich anschließen kann, wodurch das Interesse an Artgenossen nun im Vordergrund steht. Auch müsste er sich nach einem Fortpflanzungspartner umschauen, damit die Prio 1 in der Natur, nämlich das Weitergeben der eigenen Gene, erfüllt wird. Er müsste auch von irgendetwas leben… gesteigertes Jagdinteresse wäre also auch sehr praktisch und mehr als nur ein Nice-to-have.

Wenn dein Junghund nun also lieber auf Entdeckungstour geht und nicht mehr wie früher als süßer Welpe neben dir hergeht, durchlebt er nicht eine Trotzphase, er ist nicht frech, er testet nicht seine Grenzen aus, er will dich nicht ärgern oder provozieren und er will dich auch nicht dominieren.

Er macht einfach das, was sein Gehirn für diese Entwicklungsstufe als wichtig und richtig bewertet.

Unter diesem Gesichtspunkt ist das Verhalten unserer Junghunde also nur „problematisch“, weil sie in unserer Obhut in der menschlichen Welt mit menschlichen Regeln und Einschränkungen leben.

An ihrem Verhalten ist eigentlich nichts verkehrt, das Problem ist das Umfeld in Form einer Schablone, in der das Hundegehirn momentan einfach nicht reinpasst. 😊

Diese Perspektive hilft dir vielleicht, ein bisschen mehr Geduld und Verständnis für deinen Jungspund aufzubringen – und auch für dich selbst!

Das Hundegehirn kannst du nicht verändern. Und die Schablone auch nicht so wirklich, weil du euer Umfeld und euren Alltag nur bis zu einem gewissen Grad anpassen kannst. Das ist eine frustrierende Konstellation. Mach dir aber klar, dass diese schwierige Zeit nur eine vorübergehende Phase ist, die auch wieder vorbeigeht und dass ihr danach gestärkt und noch viel inniger als Team unterwegs seid.

Der „Gartenrückschnitt“ im Gehirn richtet sich auch stark danach, was gerade in dem jeweiligen Umfeld benötigt wird. Das Gehirn verändert sich durch Erfahrungen und Erlebnisse, durch Lernen und allgemein durch Verhalten. Es ist also wichtig, dass du nun am Ball bleibst und eure wichtigsten Übungen und Signale einfach oft wiederholst. Du sagst dem Gehirn deines Hundes somit: „Hey, nicht wegschmeißen! Das brauchen wir noch!“

Es ist auch nicht schlimm, seine Erwartungen ein bisschen runterzuschrauben und einfach Spaß mit seinem Hund zu haben! Die Adoleszenz ist nicht die günstigste Zeit, um Pokale im Hundesport anzustreben, um in der Unterordnung zu glänzen oder generell sich mit anderen zu vergleichen. Das führt nur zu unnötigen Druck und Frust!

Konzentriere dich lieber auf praktische Alltagsübungen und auf eure sichere Bindung. Setze diese wertvolle Bindung zu deinem Hund nicht aufs Spiel, nur weil andere meinen, du müsstest mit deinem Hund schimpfen, hart durchgreifen, ihn mit Entzug von Aufmerksamkeit strafen oder was für einen Murks man noch so hört und liest!

Auch bei diversen Übungen zum Aufbau von Impulskontrolle und Frustrationstoleranz solltest du dich fragen, ob sie dir und deinem Hund wirklich etwas in eurem Alltag bringen. Impulskontrolle ist wie ein Akku, der irgendwann entladen ist und durch Schlaf und Erholung erst wieder aufgeladen werden muss.

Da der PFC seinen Job noch nicht richtig ausführen kann, wird dieser Impulskontroll-Akku nicht zu 100% aufgeladen. Das, was im Akku drin ist, braucht dein Hund, um euren Alltag mit ganz normalen Warte- und Geduldssituationen zu bewältigen.

Überlege also gut, ob du das, was zur Verfügung steht, verplempern möchtest. Ich sage bewusst „verplempern“, weil es leider nicht möglich ist, mit EINER Impulskontroll-Übung so etwas wie eine Allround-Impulskontrolle aufzubauen. Klappt das Warten am Ball oder Leckerli, bedeutet das nicht, dass nun auch Rehe vor deiner Jagdnase sicher sind.


Neben der Großbaustelle im Gehirn dürfen wir die vielen Hormone und Neurotransmitter nicht vergessen, die das Steuerrad gekapert haben und versuchen, ohne Navigation vom PFC in die richtige Richtung zu fahren.


Zusammen mit den Geschlechtshormonen gibt es da noch viele andere Player. Aber einen davon wollen wir uns ein bisschen genauer anschauen: das Stresshormon Cortisol.

(Wir haben es auch bereits im Blogartikel über die Resilienz kennengelernt. Die in diesem Artikel beschriebenen Maßnahmen zum Aufbau von Resilienz passen übrigens hervorragend in die Zeit der Jugendentwicklung. Ebenso ist das Thema Bindung super wichtig in dieser Zeit.)

Stress ist ganz deutlich ein großes Thema bei Junghunden. Cortisol hat über komplizierte Wege sehr viel Einfluss auf Verhalten. Es macht deinen Hund empfindlicher für Stress und Ängste. Die Jugendentwicklung ist die Zeit, wo man ganz besonders darauf achten sollte, dass Ängste sich nicht ausweiten und generalisieren.

Ihr hattet in letzter Zeit öfter mal Begegnungen mit Aliens und Monstern, verkleidet als Mülltonnen, Flattertüten oder Gartengeräte beim Nachbarn? Plötzlich findet im Gehirn deines Hundes eine andere Bewertung statt als gestern, als die Mülltonne doch auch schon dort stand.

Cortisol lässt den eh schon struggelnden PFC die Steuerung der Emotionen noch schlechter durchführen. Normalerweise wäre er in solchen Situationen dafür verantwortlich, deinem Hund zu sagen „Warte mal, das kennen wir doch! Fehlalarm! Alles in Ordnung!“

Cortisol lässt Belohnungen im Training weniger wertvoll erscheinen, wodurch selbstbelohnende Aktivitäten wie beispielsweise das Jagen noch attraktiver werden. Es ist auch dafür verantwortlich, dass dein Hund länger braucht, um sich von stressigen oder ängstlichen Situationen zu erholen. Ein gutes Stressmanagement ist daher gerade während der Jugendentwicklung sehr hilfreich!

Als Fazit können wir festhalten, dass wir vom Entwicklungsstand des Gehirns ausgehen sollten, wenn wir den Alltag und das Training mit unseren Junghunden planen.

Wir wissen, dass sie vor allem Geduld und Verständnis brauchen, um gut durch diese verletzliche Zeit zu kommen, und dass wir den Fokus auf Management, Alltagstraining, Entspannung und gemeinsamen Spaß legen sollten, anstatt auf Gehorsam und Funktionieren. 😊

Furry Fellows_Spaß haben mit Hund